Parteitage im Vergleich – mit und ohne Lobbyisten

AfD, Politik

Am ersten Dezemberwochende fand der Bundesparteitag der AfD statt. Was Hannover zumindest am Samstag um die Kongresshalle in ein Kriegsgebiet verwandelte, Sonntag lag dann alles halbwegs friedlich unter dem ersten Schnee. Obwohl ich zugeben muss, dass man einmal in der Halle selber vom Geschehen draußen wenig bis gar nichts mitbekam.

Bei einem Empfang in Braunschweig und dem Thema Parteitage angelangt, schwärmte ein Mitglied der SPD, dass Parteitage bei der SPD als Mitglied auch immer sehr spannend seien, die ganzen Aussteller vor der Halle, bei denen es auch immer Kaffee kostenlos gäbe. Ich entgegnete nur trocken, dass bei uns vor der Halle vier Wasserwerfer und ein Räumfahrzeug standen (zwei Wasserwerfer immerhin extra aus Berlin abbeordert). Aussteller hatten sich eindeutig nicht zu uns verirrt.

Davon mal abgesehen, dass bei einem Parteitag für mich eher das Spannende der Ablauf des Parteitages selber war – vielleicht auch weil es bei uns etwas unvorhersehbarer ist – wurde mir doch da bewusst, dass ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht hatte, wie Parteitage bei anderen Parteien eigentlich ablaufen oder aussehen.

Während es bei uns recht schwierig ist auf einen der wenigen Plätze der Gästeliste zu kommen (jeder Landesverband hat ein gewisses Kontigent), was vor allem der begrenzten Kapazität in den Veranstaltungshallen geschuldet ist, scheint zur SPD jeder hinfahren zu können, der will, obwohl eine Parteimitgliedschaft schon wünschenswert sei, wie mir erklärt wurde. Trotz nicht vorhandener SPD-Mitgliedschaft vermerkte ich mir gedanklich trotzdem mal den Punkt irgendwann einmal auch live einen SPD Parteitag zu besuchen.

Zuhause angelangt machte ich mich auf die Suche nach diesen Ausstellern, das wollte ich jetzt genauer wissen. Dabei stolperte ich im Netz erstmal über eine Menge Bilder aus dem inneren der Parteitage, wenig vom Drumherum. Fand Tagesordnungen, wo auch Diskussionsrunden mit „Politpromi“ x, y und z aufgeführt wurden – okay, für sowas hatten wir auf unseren Parteitagen dann eher keine Zeit, was an einer gewissen Antragsfreudigkeit liegen mag und der Fähigkeit Stichwahlen scheitern zu lassen (siehe dazu auch -> Wie läuft so eine Listenaufstellung eigentlich ab?). Samstag ging unser Parteitag bis 22:00 Uhr. 23:00 Uhr im Hotel, kurz auf’s Zimmer, dann noch in die Lobby auf ein Bier zwischen AfD-Prominenz und Personenschützern, immer wieder stampften Polizisten in voller Montur durch die Halle, ein Hotelzimmer war eigens komplett zur Polizeiwache umfunktioniert worden. Die paar vereinzelten Hotelgäste, die nicht der AfD zugehörig waren, und am Freitag Abend sich leicht verwirrt auch noch innerhalb dieses Szenarios wiederfanden, suchte man am Samstag vergebens.

Langsam kam ich über Sponsoren, denen für die Unterstützung gedankt wurde und Bildern mit Werbeaufstellern im Hintergrund, zu einem kritischen Artikel auf stern.de, dieser befasste sich mit den Ausstellern und Sponsoren des Parteitages der CDU und das sich diese verhement weigert die Stellplatzpreise für die Aussteller zu erzählen. Stellt sich die Frage, ob die CDU mit einem Parteitag sogar durch die Aussteller einen Gewinn einfähren kann.

„Wer zum ersten Mal einen Parteitag besucht, könnte meinen, die falsche Halle erwischt zu haben: Wie auf einer Messe reiht sich Stand an Stand. Autohersteller, Energieunternehmen, Banken bieten Informationsbroschüren an, zeigen ihre Produkte oder schenken Kaffee aus. Sollte der ahnungslose Erstbesucher erwartet haben, auf einem Parteitag Politik in Reinform zu erleben, hat er weit gefehlt.“, schreibt der Focus 2010 in Wenn der Parteitag zur Messe wird über den SPD-Parteitag in Dresden.

Auf abgeordnetenwatch finden sich im Artikel Wie viel Lobbyisten für einen Stand auf einem Parteitag zahlen detailierte Angaben zu den einzelnen Parteien zu diesem Thema, und es scheint, als wenn wirklich nur die Linke und die AfD nicht über so eine Parteitags-Messe verfügen, also die Parteitage, die ich kenne, eher untypisch in der deutschen Parteienlandschaft sind.

Da ich die Größenordnung kenne, in der sich die Kosten für einen Bundesparteitag für uns schon belaufen, kann ich mir vorstellen, dass es für Parteien reizvoll ist, dieses durch die Vermietung von Aufstellerplätzen rezufinanzieren, trotzdem hoffe ich mir nie eine Ausstellermesse vor den Eingängen eines AfD-Parteitages zu finden – es fühlt sich einfach nicht richtig an.

 

Beitragsbildquelle: Screenshot der CDU-Seite: https://www.cdu.de/cdupt16/aussteller

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